Ein Nachruf an Alt-Bürgermeister Raimund Schupfner (1939 – 2026)
Geboren wurde Raimund Schupfner am 30. Dezember 1939 in der Feldwies. Er erlernte bei der Firma Körting-Radiowerke seinen Beruf. Nach der Eheschließung mit seiner Christl zog er in das Haus seiner Ehefrau in die Sudetenstraße nach Grassau. Vom ersten Tag seiner Tätigkeit bei Körting engagierte er sich bei der Gewerkschaft IG Metall, erst im Vertrauensleutekörper, dann als Betriebsrat und später auch als deren Sprecher. Im Betrieb gehörte er der Werksfeuerwehr an. Besonders gefragt war sein Rat und Engagement bei der Erstellung der Sozialpläne bei der Auflösung der Firma Körting und auch später bei der Nachfolgefirma Gorenje. So erreichte er unter anderem, dass die Arbeitnehmer trotz des Konkurses in ihren Betriebswohnungen verbleiben konnten. Er selbst wechselte dann zu Heidenhain und pendelte jeden Morgen nach Traunreut.
Politisch engagierte er sich schon früh bei den Jungsozialisten in Grassau zusammen mit Xaver Schreiner und Alice Pape (heute Gruß). 1984 wurde er auf der SPD-Liste in den Grassauer Marktgemeinderat gewählt. Es folgten sehr engagierte Jahre auch im Vorstand der Grassauer SPD und in der Fraktion. 1986 kandidierte er zum Bürgermeister für die Marktgemeinde Grassau. Darin wurde er auch von den drei parteifreien Gruppen im Gemeinderat unterstützt. Das Ergebnis mit 51 % überraschte viele, aber weniger den Kandidaten. Damit begann eine neue Epoche von SPD-Bürgermeistern im Ort. Es begann aber nach einer kurzen Übergangszeit auch eine neue Form der Zusammenarbeit und der Offenheit im Gemeinderat. In der SPD-Fraktion, erst unter Leitung von Dr. Hartmut Buchner, Xaver Schreiner sowie Rudi Jantke, zumeist mit Hans Hornberger als Stellvertreter, hatte er immer eine große Unterstützung zur Durchsetzung der Pläne für eine Fortentwicklung der Marktgemeinde. Eine große Hilfe bei dieser zeitraubenden Arbeit war dabei auch die Unterstützung durch seine Ehefrau Christl.
In seiner Amtszeit als Erster Bürgermeister von 1986 bis 2002 fielen eine Vielzahl von wegweisenden Entscheidungen. So traf er in vielen Gesprächen mit den Planern, den Grundstückseigentümern und den Bürgern die Basis für die folgende Ortskernsanierung. Die Ergebnisse dieser gelungenen Ortskernsanierung sind bis heute unübersehbar in Grassau. Sehr umstritten war hingegen seinerzeit der Kauf des Gasthauses zur Post. Nur mit knapper Mehrheit konnte der Kauf und die anschließende Sanierung beschlossen werden. Im Nachhinein betrachtet war es eine vorausschauende Entscheidung für den ganzen Ort und die Entwicklung Grassaus zu dem Kulturzentrum im Südosten Bayerns.
Ein wichtiges Anliegen für Raimund Schupfner war die Entwicklung und Sanierung der gemeindlichen Infrastruktur, vom Kanalnetz über die Kindergärten bis hin zur Schule. Besonders setzte sich Schupfner auch für die Vergabe von Grundstücken über Einheimischenmodelle ein und die Ansiedlung neuer Betriebe. Aber auch die Kinder und Jugendlichen lagen ihm am Herzen. Dies zeigte sich nicht nur im Ausbau weiterer Kindergartenplätze, sondern auch in der Unterstützung des Jugendtreffs. Sehr wichtig war ihm auch die endgültige Erfüllung aller Vereinbarungen aus der Eingemeindung Rottaus.
Mit Raimund Schupfner festigte sich der Grassauer SPD-Ortsverein weiter. In der Zusammenarbeit mit Dr. Hartmut Buchner, Xaver Schreiner, Alice und Olaf Gruß wurden die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. Das zeigte sich u.a. in häufigen Besuchen in der Partnergemeinde Tscherms zur Festigung des Zusammenhalts, aber auch in der Gründung der regelmäßig erscheinenden Ortsvereinszeitung ‚Links der Ache‘. Vorausschauend war die Entscheidung von Schupfner, sich bereits nach vier Jahren erneut den Wählern zu stellen. Damit konnten die Wahlen zum Bürgermeister und zum Marktgemeinderat wieder gleichzeitig stattfinden. Auch der Übergang zu seinem Nachfolger Rudi Jantke im Amt des Bürgermeisters war lange vorher geplant und wohl durchdacht. Als Ratgeber stand er aber weiterhin dem Ortsverein jederzeit zur Verfügung.
Als Vorsitzender des Gartenbauvereins fand er schon vor dem Ende seiner Amtszeit 2002 seine nächste große Aufgabe. In Erfüllung des Amtes als Vorsitzender wurde er 2013 überraschend durch den Riss eins Aneurysmas gestoppt. Nachdem er anfänglich noch mit einer Pflegekraft in seinem Haus leben konnte, verbrachte er später seine Zeit in einem Pflegeheim in Bernau. Dort lebte er in seiner eigenen Welt, den Besuchern immer glücklich erscheinend.
Dem SPD-Ortsverein ging damit ein wichtiger Ratgeber und Freund verloren. Bei regelmäßigen Besuchen versuchten Vertreter des Ortsvereins den Kontakt weiterhin aufrecht zu erhalten.
Der SPD-Ortsverein Grassau trauert mit der Familie des Verstorbenen und wird Raimund als Freund und wichtigen Weggefährten weiterhin in bester Erinnerung behalten. Zusammen mit seiner Heimatgemeinde Grassau wird der Ortsverein Raimund Schupfner als tatkräftigen, ideenreichen Bürgermeister im Gedächtnis behalten, der wichtige Weichen für die Zukunft der Gemeinde gestellt hat.